Ontologische Zuordnungsinstabilität in Governance-Systemen bei Interventionen

Marion Gentges, Landesjagdverband und Wildtiermanagement: Was bedeutet das in der Praxis?

Marion Gentges spricht sich für ein modernes und praxisorientiertes Wildtiermanagement in Baden-Württemberg aus. Beim Landesjägertag 2026 standen dabei Wolf, Biber und Saatkrähe ausdrücklich im Mittelpunkt.

Doch was bedeutet „praxisorientiert“ konkret?

Gerade beim Hornisgrinde-Wolf lässt sich diese Frage stellen. Bereits vor der früheren Entnahmeentscheidung wurden rund 2.400 Einsatzstunden darauf verwendet, den Wolf zu fangen. Der Fang gelang nicht. Während der anschließenden Entnahmephase kamen professionelle Kräfte zum Einsatz. Auch die Entnahme gelang nicht.

Heute wird erneut über Vergrämung und – sollte diese scheitern – über eine mögliche Entnahme gesprochen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Wildtiermanagement notwendig ist. Sie lautet:

Was hat sich gegenüber den bisherigen Versuchen verändert?

Marion Gentges beim Landesjägertag 2026

Am 25. Juli 2026 nahm Marion Gentges als neue Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat am Landesjägertag Baden-Württemberg in Schwäbisch Gmünd teil.

Das offizielle Programm des Landesjagdverbands Baden-Württemberg führte ihren Beitrag ausdrücklich unter der Überschrift „Aktuelle Jagdpolitik“. Direkt anschließend folgten die jagdpolitischen Ausführungen von Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann.

In seiner Pressemitteilung zum Landesjägertag 2026 berichtet der Landesjagdverband von rund 500 Teilnehmern. Gentges habe die Bedeutung eines modernen und praxisorientierten Wildtiermanagements hervorgehoben und Wolf, Biber und Saatkrähe ausdrücklich angesprochen.

Auch das Jagdmagazin JÄGER beschreibt ihren Auftritt als klares Bekenntnis zur Jagd. Der Bericht nennt ebenfalls Wolf, Biber und Saatkrähe und verweist auf Gentges' Aussagen zum Jagd- und Wildtiermanagementgesetz.

Damit wird eine politische Linie sichtbar: Wildtiermanagement soll aktiv gestaltet werden.

Aber genau deshalb lohnt sich der Blick auf die praktische Umsetzung.

Der Hornisgrinde-Wolf: Was ist diesmal anders?

Beim Hornisgrinde-Wolf, häufig „Grindi“ genannt, gab es bereits einen erheblichen praktischen Aufwand.

Rund 2.400 Einsatzstunden wurden für Fangversuche aufgewendet. Der Wolf konnte nicht gefangen werden. Später wurde eine Entnahme ermöglicht. Auch während dieser Phase gelang es professionellen Kräften nicht, den Wolf zu entnehmen.

Nun soll erneut versucht werden, ihn zu vergrämen. Sollte dies nicht funktionieren, steht wiederum eine Entnahme im Raum.

Daraus ergeben sich sehr einfache Fragen:

Was weiß man heute, was man damals nicht wusste?

Gibt es bessere Informationen über seinen Aufenthaltsort? Gibt es neue Daten über seine Bewegungen? Werden andere Methoden eingesetzt? Sind andere Personen beteiligt? Und vor allem: Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob die Vergrämung erfolgreich oder gescheitert ist?

Das sind keine Argumente gegen eine Vergrämung. Im Gegenteil: Wenn eine Vergrämung eine Entnahme verhindern kann, ist ihr Erfolg besonders wichtig.

Gerade deshalb sollte nachvollziehbar sein, warum die Behörden davon ausgehen, dass die neuen Maßnahmen bessere Erfolgsaussichten besitzen als die bisherigen.

Wildtiermanagement bedeutet mehr als Entnahme

Der Begriff „Wildtiermanagement“ ist größer als die Frage, ob ein bestimmtes Tier geschossen werden darf.

Das zeigt ausgerechnet der Biber.

Beim Landesjägertag erklärte Gentges den Biberbestand in Baden-Württemberg mit rund 12.000 Tieren für gesichert. Gleichzeitig wird geprüft, den Biber in das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz aufzunehmen. Der Landesjagdverband unterstützt diesen Weg.

Wir haben diese Verbindung bereits in unserer Analyse Marion Gentges, Landesjagdverband und Biber untersucht.

Doch beim Biber wird besonders deutlich, warum Wildtiermanagement mehrere Seiten berücksichtigen muss.

Biber können Nutzungskonflikte verursachen. Gleichzeitig verändern ihre Dämme Gewässer, schaffen Feuchtgebiete und können Wasser länger in der Landschaft halten.

In einem trockenen Sommer bekommt diese zweite Seite eine besondere Bedeutung.

Die Frage darf deshalb nicht nur lauten:

Wo verursacht der Biber Probleme?

Sie muss ebenfalls lauten:

Wo hilft der Biber dabei, Wasser in der Landschaft zu halten – und welchen Aufwand müssten Menschen betreiben, um vergleichbare Wirkungen technisch zu erreichen?

Das bedeutet nicht, dass jeder Biber an jedem Ort bleiben muss. Es bedeutet, dass eine Entscheidung die Kosten und den Nutzen berücksichtigen sollte.

Genau das wäre praxisorientiertes Wildtiermanagement.

Welche Rolle hat der Landesjagdverband?

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg ist eine Interessenvertretung der Jägerinnen und Jäger und zugleich ein anerkannter Naturschutzverband. Laut JÄGER vertritt er 57 regionale Jägervereinigungen mit mehr als 35.700 Jägerinnen und Jägern.

Dass ein solcher Verband mit dem zuständigen Ministerium spricht und seine Positionen einbringt, ist zunächst normal.

Wir haben die dokumentierten Berührungspunkte bereits in unserer Übersicht Marion Gentges, Jagdpolitik und Landesjagdverband Baden-Württemberg zusammengetragen.

Interessanter ist deshalb eine andere Frage:

Welche Rolle erhalten andere Gruppen?

Beim Wolf betrifft Wildtiermanagement nicht nur Jäger. Betroffen sind Naturschutz, Landwirtschaft und Weidetierhaltung, Wissenschaft, Kommunen, Tourismus, Hundehalter, Wanderer und die Menschen, die in den jeweiligen Regionen leben.

Beim Biber kommen Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Kommunen und Gewässerökologie hinzu.

Der Landesjagdverband besitzt Fachwissen und vertritt legitime Interessen. Aber Wildtiermanagement betrifft eine wesentlich größere Gruppe.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob der Landesjagdverband beteiligt werden sollte.

Die Frage ist, wie breit Wildtiermanagement insgesamt aufgestellt ist.

Marion Gentges hat einen solchen Beteiligungsprozess bereits selbst eingesetzt

Gerade bei Marion Gentges ist dieser Punkt interessant.

Als Justizministerin startete sie das Projekt ZUKUNFTSGERICHTET – Den Rechtsstaat gemeinsam voranbringen.

Dabei wurde bewusst nicht nur innerhalb des Ministeriums diskutiert.

Das Justizministerium beschreibt ZUKUNFTSGERICHTET als breit angelegten Beteiligungsprozess. Einbezogen wurden Angehörige der Justiz, Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus Wirtschaft, Rechtsanwaltschaft und öffentlichem Sektor. Ziel war ausdrücklich, ein breites Meinungsbild einzuholen.

2025 zog das Ministerium eine positive Bilanz. Es sprach von einem offenen und inklusiven Dialog und davon, unterschiedliche Akteure und Interessengruppen einzubeziehen.

Damit entsteht eine interessante Frage für Gentges' heutiges Ministerium:

Warum nicht ZUKUNFTSGERICHTET für Wildtiermanagement?

Justiz und Wildtiermanagement sind selbstverständlich unterschiedliche Aufgaben.

Das zugrunde liegende Problem ist jedoch vergleichbar: Der Staat muss Entscheidungen treffen, die unterschiedliche Gruppen betreffen und bei denen Interessen miteinander kollidieren.

Gentges hat bei ZUKUNFTSGERICHTET gezeigt, dass sie einen breiten Beteiligungsprozess grundsätzlich als Instrument staatlicher Entscheidungsfindung betrachtet.

Warum dieses Prinzip also nicht auf das Wildtiermanagement übertragen?

Beim Hornisgrinde-Wolf könnte beispielsweise gemeinsam gefragt werden:

Was haben die bisherigen Maßnahmen erreicht? Was haben sie nicht erreicht? Warum sind Fang und Entnahme trotz des erheblichen Aufwands gescheitert? Welche Alternativen gibt es? Wie wird eine Vergrämung bewertet? Und was müsste sich langfristig ändern, damit beim nächsten Wolf nicht dieselben Probleme erneut entstehen?

Beim Biber könnte gefragt werden, wo tatsächlich Konflikte bestehen – aber ebenso, wo seine ökologische Tätigkeit für Wasserrückhalt, Gewässer und Landschaft einen messbaren Nutzen erzeugt.

Damit würde aus der Frage „Was machen wir mit diesem Tier?“ eine bessere Frage:

„Wie lösen wir gemeinsam das Problem, das zwischen Tier, Landschaft und menschlicher Nutzung entstanden ist?“

Wildtiermanagement muss sich am Ergebnis messen lassen

Wolf, Biber und andere Wildtiere stellen Baden-Württemberg vor reale Herausforderungen. Interessenkonflikte verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert.

Aber auch eine Aufnahme in das Jagdrecht löst einen Konflikt nicht automatisch.

Der Hornisgrinde-Wolf zeigt das sehr deutlich. Ein erheblicher Aufwand garantiert noch keinen Erfolg.

Deshalb sollte modernes Wildtiermanagement drei einfache Fragen beantworten können:

Was ist das konkrete Problem?

Welche Maßnahme soll dieses Problem lösen?

Woran erkennen wir anschließend, ob sie funktioniert hat?

Beim Landesjägertag in Schwäbisch Gmünd sprach Marion Gentges von modernem und praxisorientiertem Wildtiermanagement.

Das ist ein sinnvoller Anspruch.

Gerade deshalb sollte jetzt nachvollziehbar werden, was gegenüber den bisherigen Maßnahmen verändert wurde – und ob zu einem modernen Wildtiermanagement neben Jagd und Verwaltung nicht auch das gehört, was Gentges mit ZUKUNFTSGERICHTET bereits an anderer Stelle praktiziert hat:

unterschiedliche Perspektiven anhören, Kritik zulassen und Lösungen auf eine breitere Grundlage stellen.

Marion Gentges, Landesjagdverband und Wildtiermanagement

ZUKUNFTSGERICHTET als Modell für modernes Wildtiermanagement

Hornisgrinde-Wolf: Was ist bei Marion Gentges diesmal anders?

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