Marion Gentges und das mehrdimensionale Problembild: Warum Beteiligung vor der Entscheidung kommt
Bei ZUKUNFTSGERICHTET setzte Marion Gentges auf einen breit angelegten Beteiligungsprozess. Unterschiedliche Perspektiven sollten nicht erst eine fertige politische Entscheidung kommentieren, sondern bereits dazu beitragen, das Problem selbst umfassender zu verstehen. Ziel war ein „mehrdimensionales Bild“ der Justiz. ZUKUNFTSGERICHTET
Was bedeutet ein mehrdimensionales Problembild?
Ein komplexes Problem sieht für unterschiedliche Beteiligte unterschiedlich aus.
Beschäftigte der Justiz kennen interne Abläufe. Rechtsanwälte erleben das System von außen. Polizei und andere Behörden sehen institutionelle Schnittstellen. Bürger erleben Zugänglichkeit, Verständlichkeit und Geschwindigkeit. Wirtschaft und weitere gesellschaftliche Gruppen haben wiederum andere Anforderungen.
Keine dieser Perspektiven bildet allein das gesamte System ab.
ZUKUNFTSGERICHTET führte deshalb unterschiedliche Sichtweisen zusammen. Der breit angelegte Beteiligungsprozess wurde von der Landesregierung als „Herzstück“ der Bestandsaufnahme bezeichnet. Land Baden-Württemberg: Abschlussbericht ZUKUNFTSGERICHTET
Die Struktur lässt sich auf drei Schritte reduzieren:
Perspektiven → Problembild → Handlung
Perspektiven: Unterschiedliche Akteure bringen Wissen, Erfahrungen und Interessen ein.
Problembild: Die verschiedenen Perspektiven werden zu einem umfassenderen Bild des Problems verbunden.
Handlung: Erst auf dieser Grundlage werden Handlungsfelder und politische Maßnahmen entwickelt.
Damit bekommt Beteiligung eine konkrete Funktion. Sie dient nicht nur dazu, Menschen anzuhören. Sie kann die Definition des Problems selbst verändern.
Das bedeutet auch nicht, dass alle Beteiligten anschließend dieselbe Entscheidung unterstützen müssen. Die politische Verantwortung bleibt beim Ministerium.
Der entscheidende Unterschied liegt früher:
Beteiligung findet nicht erst statt, nachdem das Problem definiert wurde. Beteiligung ist Teil der Problemdefinition.
Bei ZUKUNFTSGERICHTET führte dieser Prozess von Online-Beteiligung, Workshops, Roadshows und Befragungen zum Abschlussbericht und anschließend zu weiteren Veränderungsprozessen. Justizministerium Baden-Württemberg: Zukunftsprojekt
Das mehrdimensionale Problembild beschreibt damit eine einfache politische Methode:
erst unterschiedliche Perspektiven erfassen, dann das Problem definieren, danach handeln.
Marion Gentges, ZUKUNFTSGERICHTET und Hornisgrinde-Wolf: Gilt Beteiligung auch beim Wolf?