Marion Gentges, ZUKUNFTSGERICHTET und Grindi: Wo werden 73.000 Stimmen gehört?
Mehr als 73.000 Unterschriften wurden in zwei großen Petitionen gegen die Entnahme des Hornisgrinde-Wolfs Grindi gesammelt. Diese Unterschriften entscheiden nicht über den Umgang mit dem Wolf. Sie dokumentieren aber eine gesellschaftliche Position. Mit dem von Marion Gentges geprägten Ansatz ZUKUNFTSGERICHTET stellt sich deshalb eine einfache Frage: Wo wird diese Position im politischen Prozess sichtbar gehört?
Unterschreiben, gehört werden, entscheiden: drei verschiedene Dinge
Die beiden großen Petitionen gegen die Entnahme von Grindi erreichten 47.354 beziehungsweise 25.925 Unterschriften. Da Überschneidungen zwischen den Unterzeichnenden möglich sind, sprechen wir bewusst von mehr als 73.000 Unterschriften und nicht von 73.000 verschiedenen Personen.
Erstens: Die Perspektive existiert.
Zehntausende Unterschriften zeigen, dass der Wunsch, Grindi zu erhalten, eine dokumentierte gesellschaftliche Position ist. Eine Petition ersetzt dabei weder wissenschaftliche Bewertung noch politische Verantwortung.
Zweitens: Gehört werden bedeutet nicht Recht bekommen.
FVA, Nationalpark, Jägerschaft, Naturschutz, Landwirtschaft und Bürger können zu unterschiedlichen Bewertungen kommen. Am Ende müssen die zuständigen Behörden entscheiden.
Drittens: Beteiligung gehört zur Problemdefinition.
Genau hier wird ZUKUNFTSGERICHTET relevant. Als Justizministerin setzte Marion Gentges auf unterschiedliche Perspektiven, um vor politischen Entscheidungen ein mehrdimensionales Problembild zu entwickeln.
Die Struktur war:
Beteiligung → Problembild → Handlung
Auf Grindi übertragen bedeutet das nicht, dass 73.000 Unterschriften eine Entnahme verhindern müssen.
Die Frage liegt einen Schritt davor:
Wo erhalten die Menschen, die Grindi erhalten wollen, einen erkennbaren Platz im politischen Beteiligungsprozess?
Denn ein mehrdimensionales Problembild entsteht nicht dadurch, dass eine Perspektive die Entscheidung bestimmt. Es entsteht dadurch, dass unterschiedliche relevante Perspektiven überhaupt in die Definition des Problems einfließen.
Genau daran lässt sich prüfen, was ZUKUNFTSGERICHTET beim Hornisgrinde-Wolf praktisch bedeuten könnte.
Marion Gentges, ZUKUNFTSGERICHTET und Grindi: Ist Kommunikation schon Beteiligung?