Marie Hoffmann, der Deutsche Jagdverband und Hunt on Demand: Drei Kommunikationsmodelle der modernen Jagd
Governance Resolver vergleicht DJV, Marie Hoffmann und Hunt on Demand als drei Kommunikationsmodelle der modernen Jagd auf Grundlage der Systemtheorie Niklas Luhmanns.
I think this has the potential to become one of the strongest Governance Resolver articles because it is not about hunting. It is about three different communication architectures that all describe the same activity.
The analytical question is not:
Which one is right?
It is:
How does each actor reduce the complexity of hunting for a different audience?
That is classic Luhmann.
Marie Hoffmann, der Deutsche Jagdverband und Hunt on Demand: Drei Kommunikationsmodelle der modernen Jagd
Die Jagd wird in Deutschland nicht durch eine einheitliche Kommunikationsform vermittelt. Unterschiedliche Akteure beschreiben dieselbe Praxis auf sehr unterschiedliche Weise. Während der Deutsche Jagdverband (DJV) als institutioneller Dachverband gesellschaftliche Legitimation und politische Anschlussfähigkeit herstellen muss, kommuniziert Marie Hoffmann als wissenschaftlich ausgebildete Agrar-Influencerin komplexe Managementprozesse über soziale Medien. Plattformen wie Hunt on Demand verfolgen wiederum eine völlig andere Logik: Sie produzieren audiovisuelle Inhalte für eine jagdlich interessierte Zielgruppe.
Aus Sicht der Systemtheorie nach Niklas Luhmann handelt es sich nicht um konkurrierende Wahrheiten, sondern um drei unterschiedliche Kommunikationssysteme. Jedes reduziert Komplexität auf eigene Weise und richtet sich an unterschiedliche Adressaten.
Drei Systeme – drei Kommunikationslogiken
Alle drei Akteure sprechen über Jagd.
Doch sie erfüllen unterschiedliche gesellschaftliche Funktionen.
Der DJV kommuniziert als Institution.
Marie Hoffmann kommuniziert als individuelle Wissensvermittlerin.
Hunt on Demand kommuniziert als Medienplattform.
Deshalb unterscheiden sich nicht nur Sprache und Inhalte, sondern auch Auswahl, Reihenfolge und Gewichtung der Themen.
Der Deutsche Jagdverband: Institutionelle Kommunikation
Die Kommunikation des Deutschen Jagdverbandes folgt einer organisationsbezogenen Logik.
Im Mittelpunkt stehen wiederkehrende Begriffe wie
Wildtiermanagement
Naturschutz
Biodiversität
Monitoring
Ehrenamt
Waidgerechtigkeit
Forschung
Diese Begriffe bilden einen stabilen institutionellen Rahmen, innerhalb dessen Jagd erklärt wird.
Aus systemtheoretischer Sicht dient diese Kommunikation dazu, Anschlussfähigkeit gegenüber Politik, Wissenschaft, Behörden und Öffentlichkeit herzustellen.
Nicht das einzelne Jagderlebnis steht im Mittelpunkt, sondern die gesellschaftliche Funktion der Organisation.
Marie Hoffmann: Kommunikation durch Management
Marie Hoffmann verfolgt eine andere Kommunikationsstrategie.
Sie beginnt selten mit kontroversen Einzelthemen.
Stattdessen erklärt sie zunächst das System.
Maschinen.
Boden.
Pflanzen.
Betriebswirtschaft.
Naturwissenschaft.
Entscheidungsprozesse.
Erst innerhalb dieses Gesamtzusammenhangs behandelt sie Themen wie Pflanzenschutz, Tierhaltung oder Jagd.
Die Kontroverse erscheint dadurch nicht isoliert, sondern als Ergebnis eines größeren Managementsystems.
Governance Resolver hat diesen Ansatz als Management-Kommunikation beschrieben.
Nicht einzelne Maßnahmen werden legitimiert.
Vielmehr wird ihre Funktion innerhalb eines komplexen Gesamtsystems erklärt.
Hunt on Demand: Kommunikation durch Erlebnis
Hunt on Demand folgt einer medienökonomischen Logik.
Im Mittelpunkt stehen Bilder, Emotionen und unmittelbare Erfahrungen.
Die Dramaturgie orientiert sich an filmischen Erzählmustern.
Der Zuschauer erlebt Jagd.
Er erlebt Spannung.
Er erlebt Erfolg.
Der institutionelle oder ökologische Kontext tritt häufig erst anschließend hinzu.
Diese Kommunikationsform richtet sich an Menschen, die Jagd erleben möchten, nicht primär an gesellschaftliche Entscheidungsträger.
Drei unterschiedliche Formen der Komplexitätsreduktion
Luhmann beschreibt Kommunikation als Reduktion gesellschaftlicher Komplexität.
Alle drei Kommunikationssysteme reduzieren dieselbe Wirklichkeit unterschiedlich.
Der Deutsche Jagdverband reduziert Komplexität durch Institutionen.
Marie Hoffmann reduziert Komplexität durch Management.
Hunt on Demand reduziert Komplexität durch Erlebnis.
Keine dieser Formen ist per se richtig oder falsch.
Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen.
Unterschiedliche Reihenfolge der Kommunikation
Die Unterschiede werden besonders deutlich, wenn man betrachtet, womit die Kommunikation jeweils beginnt.
Deutscher Jagdverband
Institution
↓
Naturschutz
↓
Wildtiermanagement
↓
Monitoring
↓
Jagd
Marie Hoffmann
Management
↓
Zusammenhänge
↓
Praxis
↓
Entscheidung
↓
Kontroverse
Hunt on Demand
Erlebnis
↓
Emotion
↓
Jagd
↓
Einordnung
Diese Reihenfolge beeinflusst maßgeblich, wie dieselbe Handlung gesellschaftlich wahrgenommen wird.
Die Rolle der semantischen Gewichtung
Bereits frühere Analysen von Governance Resolver haben gezeigt, dass Organisationen Themen unterschiedlich gewichten.
Auch hier zeigt sich dieses Muster.
Der DJV betont institutionelle Verantwortung.
Marie Hoffmann betont funktionale Zusammenhänge.
Hunt on Demand betont die unmittelbare Erfahrung.
Die Unterschiede entstehen weniger durch widersprüchliche Fakten als durch unterschiedliche kommunikative Schwerpunktsetzungen.
Was Institutionen von Einzelakteuren lernen können
Der Vergleich zeigt zugleich unterschiedliche Stärken.
Institutionelle Kommunikation erzeugt Stabilität und politische Anschlussfähigkeit.
Individuelle Kommunikation erzeugt Nähe, Verständlichkeit und Vertrauen.
Mediale Kommunikation erzeugt Aufmerksamkeit und Reichweite.
Diese Eigenschaften schließen sich nicht gegenseitig aus.
Sie können sich ergänzen.
Gerade wissenschaftlich ausgebildete Kommunikatoren wie Marie Hoffmann zeigen, dass komplexe Managementsysteme auch außerhalb klassischer Verbandskommunikation verständlich erklärt werden können. Gleichzeitig verdeutlichen institutionelle Akteure wie der DJV, wie langfristige Legitimation durch konsistente Kommunikation aufgebaut wird.
Einordnung
Aus systemtheoretischer Perspektive konkurrieren der Deutsche Jagdverband, Marie Hoffmann und Hunt on Demand nicht um dieselbe kommunikative Aufgabe. Sie repräsentieren drei unterschiedliche Kommunikationsmodelle moderner Jagd. Der DJV stabilisiert institutionelle Legitimation, Marie Hoffmann übersetzt komplexe Managementzusammenhänge in verständliche Alltagskommunikation, und Hunt on Demand vermittelt Jagd als mediales Erlebnis. Governance Resolver bewertet diese Modelle nicht normativ. Die Analyse zeigt vielmehr, wie unterschiedliche Kommunikationsarchitekturen dieselbe gesellschaftliche Praxis auf verschiedene Weise verständlich machen – und wie diese Unterschiede die öffentliche Wahrnehmung der Jagd prägen.
Deutscher Jagdverband (DJV): Governance Resolver – Semantische Gewichtung in der Jagdkommunikatio
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