Marion Gentges, Jagdpolitik und Landesjagdverband Baden-Württemberg: Positionen und Zusammenarbeit
Marion Gentges ist seit Mai 2026 Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat in Baden-Württemberg. Ihr Ministerium ist zugleich oberste Jagdbehörde des Landes. Öffentlich dokumentierte Aussagen zeigen, dass Gentges ein modernes, praxisorientiertes und aktives Wildtiermanagement vertritt und der jagdlichen Praxis eine wichtige Rolle beimisst. Beim Landesjägertag 2026 wurden zugleich mehrere inhaltliche Überschneidungen mit Positionen des Landesjagdverbands Baden-Württemberg sichtbar.
Welche Rolle hat Marion Gentges in der Jagdpolitik Baden-Württembergs?
Marion Gentges übernahm im Mai 2026 das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg. Bei der Amtsübergabe erklärte sie, bei den Aufgaben ihres Ministeriums auf ein gutes Zusammenspiel mit der „fachlichen Praxis“ setzen zu wollen.
Für die Einordnung ihrer Beziehung zur Jagd ist vor allem die formale Zuständigkeit wichtig: Das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat ist die oberste Jagdbehörde Baden-Württembergs. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Mitwirkung an jagdlicher Gesetz- und Verordnungsgebung, die Fachaufsicht über Teile der Wildtierforschung, die Begleitung von Managementkonzepten für Wildtiere sowie die Fachaufsicht über den Landesjagdverband im Bereich der Jägerprüfung.
Die Beziehung zwischen Gentges und der organisierten Jägerschaft entsteht damit zunächst aus einer institutionellen Struktur: Jagd und Wildtiermanagement gehören zu ihrem politischen Verantwortungsbereich.
Welche Position vertritt Gentges zur Jagd und zum Wildtiermanagement?
Die bisher deutlichste öffentliche Positionierung erfolgte beim Landesjägertag Baden-Württemberg am 25. Juli 2026 in Schwäbisch Gmünd.
Nach Darstellung des Landesjagdverbands betonte Gentges dort die Bedeutung eines modernen und praxisorientierten Wildtiermanagements. Zugleich sprach sie sich dafür aus, Herausforderungen im Zusammenhang mit verschiedenen Wildtierarten aktiv anzugehen.
Diese Position steht grundsätzlich im Rahmen des Wildtiermanagements des Landes. Das Ministerium beschreibt Wildtiere sowohl als Bestandteil der biologischen Vielfalt als auch als möglichen Gegenstand unterschiedlicher und teilweise konkurrierender Interessen – beispielsweise von Naturschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Grundeigentümern, Erholungssuchenden und Jägerschaft. Grundlage von Entscheidungen sollen Informationen, Forschung und Monitoring sein.
Jagd wird dabei nicht ausschließlich als Entnahme von Wildtieren definiert. Das Ministerium verbindet Jagd mit Hege, dem Schutz und der Entwicklung von Lebensräumen sowie der Erhaltung gesunder und artenreicher Wildbestände. Bedrohte Wildtierarten sollen geschützt, ihre Populationen gestärkt und ihre Lebensräume verbessert werden.
Damit lässt sich Gentges' öffentlich erkennbare Position zunächst als Teil eines breiteren Wildtiermanagement-Ansatzes einordnen:
Monitoring → Bewertung → Management → praktische Umsetzung
Welche konkrete Maßnahme daraus folgt, hängt von der jeweiligen Art und der jeweiligen Situation ab.
Wie ist das Verhältnis zum Landesjagdverband Baden-Württemberg?
Der Landesjagdverband Baden-Württemberg ist ein zentraler organisierter Akteur der Jägerschaft im Land. Zwischen Verband und Ministerium besteht nicht nur politischer Austausch. In einzelnen Bereichen gibt es auch formale institutionelle Beziehungen.
Besonders deutlich wird dies bei der Jägerprüfung: Das Ministerium ist als oberste Jagdbehörde für die Fachaufsicht über den Landesjagdverband in dessen Funktion als Prüfungsbehörde zuständig.
Daneben findet ein öffentlicher jagdpolitischer Austausch statt. Beim Landesjägertag 2026 nahm Gentges als zuständige Ministerin teil und stellte ihre Positionen zum Wildtiermanagement vor. Der Landesjagdverband dokumentierte ihre Aussagen ausführlich in seiner anschließenden Pressemitteilung.
Damit lässt sich eine institutionelle Arbeits- und Dialogbeziehung zwischen Ministerium und Landesjagdverband feststellen.
Aus dieser Beziehung allein lässt sich jedoch weder eine persönliche Nähe noch eine politische Abhängigkeit ableiten.
Wo überschneiden sich die Positionen von Gentges und Landesjagdverband?
Eine erkennbare Überschneidung besteht beim Grundgedanken eines aktiven Wildtiermanagements.
Der Landesjagdverband fordert in seinen jagdpolitischen Positionen zur Landtagswahl 2026, das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz konsequent als Instrument des Wildtiermanagements zu nutzen. Nach seiner Position sollen Arten dann in dieses System aufgenommen werden, wenn sie durch die Jägerschaft genutzt, reguliert, überwacht oder gefördert werden. Der Verband nennt dabei ausdrücklich weitere Wildtierarten, deren Management nach seiner Auffassung über das JWMG organisiert werden sollte.
Gentges wiederum sprach beim Landesjägertag davon, Herausforderungen mit verschiedenen Wildtierarten aktiv anzugehen und ein praxisorientiertes Wildtiermanagement zu verfolgen.
Hier besteht eine dokumentierbare inhaltliche Schnittmenge:
Wildtiermanagement soll nicht ausschließlich beobachten, sondern bei entsprechender Notwendigkeit auch aktives Handeln ermöglichen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Gentges und der Landesjagdverband bei jeder einzelnen jagdpolitischen Frage dieselbe Position vertreten.
Eine solche allgemeine Übereinstimmung lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht ableiten.
Welche Rolle schreibt das Land den Jägerinnen und Jägern zu?
Die offizielle Darstellung des Ministeriums geht deutlich über die Funktion des Erlegens von Wild hinaus.
Von Jägerinnen und Jägern verlangt das Land ausdrücklich ökologisches Verständnis und verantwortungsbewusstes Handeln. Jagd wird mit Wildtiermanagement, Monitoring, Hege, Lebensraumentwicklung und der Regulierung bestimmter Wildbestände verbunden.
Das ist für die Einordnung der Beziehung zwischen Gentges und der Jägerschaft entscheidend.
Die Jägerschaft erscheint innerhalb dieses Systems nicht ausschließlich als Empfänger politischer Entscheidungen, sondern als Teil der praktischen Struktur des Wildtiermanagements.
Gleichzeitig bleibt das System staatlich geregelt. Jagdrechtliche Vorschriften werden durch Jagdbehörden vollzogen und kontrolliert; das Ministerium steht als oberste Jagdbehörde an der Spitze dieser Verwaltungsstruktur.
Die Beziehung lässt sich deshalb strukturell so darstellen:
Marion Gentges
↓
Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat
↓
Jagdpolitik und Wildtiermanagement
↕
Landesjagdverband Baden-Württemberg
↓
Jägerinnen und Jäger
Bedeutet diese Zusammenarbeit politische Nähe?
Aus den öffentlich verfügbaren Quellen lässt sich eine institutionelle Zusammenarbeit und teilweise inhaltliche Übereinstimmung feststellen.
Mehr sollte daraus zunächst nicht abgeleitet werden.
Belegt sind:
- die politische und administrative Zuständigkeit des Ministeriums für Jagd,
- die Funktion des Ministeriums als oberste Jagdbehörde,
- institutionelle Beziehungen zum Landesjagdverband,
- Gentges' Teilnahme und jagdpolitische Positionierung beim Landesjägertag 2026,
- ihre Unterstützung eines modernen und praxisorientierten Wildtiermanagements,
- sowie erkennbare Überschneidungen mit Positionen des Landesjagdverbands beim aktiven Management von Wildtierarten.
Nicht daraus belegt sind eine persönliche Bindung Gentges' an den Landesjagdverband, eine Mitgliedschaft im Verband, eine eigene jagdliche Tätigkeit oder eine grundsätzliche Übernahme der politischen Forderungen des Verbands.
Diese Unterscheidung ist wichtig: Zusammenarbeit, institutionelle Zuständigkeit und inhaltliche Überschneidung sind nicht dasselbe wie politische oder persönliche Abhängigkeit.
Fazit: Wie lässt sich die Beziehung neutral einordnen?
Marion Gentges steht als Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat an der Spitze des für die Jagd zuständigen Ministeriums und damit der obersten Jagdbehörde Baden-Württembergs. Der Landesjagdverband ist innerhalb dieses Politikfeldes ein institutionell eingebundener Akteur der organisierten Jägerschaft.
Gentges vertritt öffentlich ein modernes, praxisorientiertes Wildtiermanagement. Die offizielle Jagdpolitik Baden-Württembergs verbindet dabei Monitoring, Hege, Lebensraumschutz und – wo erforderlich – Regulierung von Wildtierbeständen.
Zwischen dieser Position und Teilen der vom Landesjagdverband veröffentlichten jagdpolitischen Forderungen bestehen erkennbare Überschneidungen. Gleichzeitig reichen die verfügbaren Belege nicht aus, um daraus eine darüber hinausgehende persönliche, organisatorische oder generelle politische Bindung abzuleiten.
Die präziseste Beschreibung lautet daher:
Zwischen Marion Gentges und dem Landesjagdverband Baden-Württemberg besteht im Bereich Jagd und Wildtiermanagement eine institutionelle Arbeits- und Dialogbeziehung mit öffentlich dokumentierten inhaltlichen Überschneidungen. Wie weit diese Übereinstimmung bei einzelnen Sachfragen reicht, muss jeweils anhand der konkreten Positionen beider Seiten geprüft werden.
Marion Gentges, Jagdpolitik und Landesjagdverband BW
Gentges, Landesjagdverband und Wildtiermanagement
Marion Gentges, Jägerschaft und Jagdpolitik Baden-Württemberg
Marion Gentges und der Landesjagdverband: Wann wird aus politischem Zugang Einfluss?