Marion Gentges im BNN-Interview: Fragen zu Grindi

Marion Gentges im BNN-Interview: Fragen und Antworten zu Grindi

Im BNN-Interview spricht Landwirtschaftsministerin Marion Gentges über den Hornisgrinde-Wolf Grindi, die geplante Vergrämung und einen möglichen Abschuss. Was ist damit konkret gemeint? Was wissen wir – und welche Fragen sind noch offen?

Was hat Marion Gentges im BNN-Interview zu Grindi gesagt?

Marion Gentges macht deutlich, dass die Vergrämung des Hornisgrinde-Wolfs fortgesetzt werden soll.

Das Ziel ist, dass Grindi wieder mehr Abstand zu Menschen hält.

Gentges verbindet damit aber auch eine klare Konsequenz: Sollte die Vergrämung nicht gelingen, kann am Ende der Abschuss stehen.

Damit ergibt sich eine einfache Reihenfolge:

Vergrämung → Bewertung des Verhaltens → mögliche Entnahme

Offen bleibt, nach welchen Kriterien der zweite Schritt bewertet wird.

 

Warum soll Grindi überhaupt vergrämt werden?

Grindi ist wiederholt durch geringe Distanz zu Menschen und insbesondere zu Menschen mit Hunden aufgefallen.

Eine Vergrämung soll diese Entwicklung verändern.

Dabei geht es nicht darum, den Wolf aus der Landschaft zu vertreiben. Er soll lernen, größere Distanz zu Menschen zu halten.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob Grindi auf eine einzelne Vergrämung reagiert, sondern ob sich sein Verhalten danach tatsächlich verändert.

 

Ist Grindi nachweislich gefährlich?

Aus einer geringen Fluchtdistanz allein folgt noch nicht automatisch, dass ein Wolf einen Menschen angreifen wird.

Genau deshalb müssen zwei Dinge getrennt werden:

beobachtetes Verhalten und mögliche zukünftige Gefahr.

Dokumentiert werden kann beispielsweise, wie nah sich ein Wolf einem Menschen nähert oder ob er einem Menschen mit Hund folgt.

Die Aussage, was daraus künftig entstehen könnte, ist dagegen eine Bewertung.

Für politische Entscheidungen ist diese Trennung wichtig.

 

Ist Grindi an Menschen gewöhnt?

Es gibt Hinweise darauf, dass Grindi die Anwesenheit von Menschen in ungewöhnlich geringer Entfernung toleriert.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Begegnung gleich bewertet werden kann.

Interessant ist dabei auch die Vergangenheit.

Vor der geplanten Entnahme Anfang 2026 wurde erheblicher Aufwand betrieben, um Grindi zu beobachten, zu lokalisieren und teilweise auch für eine Besenderung zu erreichen.

Frühere Betäubungsversuche scheiterten unter anderem daran, dass der Wolf seine Bewegungen änderte.

Deshalb sollte untersucht werden, welche Erfahrungen Grindi während dieser intensiven Phase mit Menschen gemacht hat.

Die Frage lautet nicht:

„Hat der Mensch Grindi an Menschen gewöhnt?“

Dafür fehlt ein eindeutiger Nachweis.

Die sachlich belastbare Frage lautet:

Welche Rolle haben die vielen Begegnungen und die intensive menschliche Präsenz für sein heutiges Verhalten gespielt?

 

Wann ist eine Vergrämung erfolgreich?

Eine einzelne Reaktion reicht dafür kaum aus.

Wenn Grindi nach einem Gummigeschoss oder einem anderen negativen Reiz davonläuft, zeigt das zunächst nur, dass er auf diesen Reiz reagiert hat.

Die eigentliche Frage kommt danach:

Hält er künftig mehr Abstand?

Dafür braucht es messbare Kriterien.

Zum Beispiel könnten Abstände, Häufigkeit weiterer Annäherungen und die Dauer einer Verhaltensänderung dokumentiert werden.

Welche Kriterien beim Hornisgrinde-Wolf tatsächlich verwendet werden sollen, muss transparent gemacht werden.

 

Wann gilt die Vergrämung als gescheitert?

Das ist derzeit eine der wichtigsten offenen Fragen.

Denn Gentges verbindet das Scheitern der Vergrämung mit der Möglichkeit einer späteren Entnahme.

Deshalb sollte bereits vorher klar sein:

Wie viele Versuche sollen stattfinden?

Über welchen Zeitraum?

Welches Verhalten soll sich verändern?

Wie wird diese Veränderung dokumentiert?

Und wer entscheidet schließlich, dass die Versuche nicht funktioniert haben?

Wenn das Scheitern einer Vergrämung eine Entnahme begründen kann, müssen die Kriterien für dieses Scheitern nachvollziehbar sein.

 

Können Gummigeschosse bei Grindi funktionieren?

Grundsätzlich können solche Mittel eingesetzt werden, um einem Wolf eine negative Erfahrung bei unerwünschter Annäherung zu vermitteln.

Das praktische Problem ist die Entfernung.

Erfahrungen aus Thüringen zeigen, dass für dort eingesetzte Gummigeschosse eine wirksame Entfernung von bis zu etwa 20 Metern angegeben wurde.

Damit eine solche Maßnahme funktioniert, muss aber einiges gleichzeitig passieren:

Grindi muss ausreichend nahe kommen.

Eine entsprechend ausgerüstete Person muss genau dann vor Ort sein.

Der Wolf muss sicher erkannt werden.

Und die Vergrämung muss im richtigen Moment erfolgen.

Ob solche Situationen beim Hornisgrinde-Wolf regelmäßig erreicht werden können, wissen wir derzeit nicht.

 

Wissen wir, wer Grindi vergrämen wird?

Öffentlich sind bislang nicht alle Einzelheiten des neuen Vorgehens bekannt.

Dazu gehören unter anderem:

Wer die Maßnahmen praktisch durchführt.

Wann sie beginnen.

Wie häufig sie stattfinden sollen.

Welche Mittel konkret eingesetzt werden.

Wie lange die Vergrämungsphase dauern soll.

Und welcher personelle und finanzielle Aufwand vorgesehen ist.

Diese Informationen werden wichtig, wenn später beurteilt werden soll, ob die Maßnahme eine faire Chance hatte, erfolgreich zu sein.

 

Entscheidet Marion Gentges selbst über einen Abschuss?

So einfach ist es nicht.

Gentges ist als Ministerin politisch für das Thema verantwortlich und formuliert öffentlich die Linie ihres Ministeriums.

Eine Entnahme erfolgt aber nicht allein deshalb, weil eine Ministerin sie politisch für notwendig hält.

Fachliche Bewertungen, rechtliche Voraussetzungen, zuständige Behörden und die praktische Durchführung gehören ebenfalls zum Verfahren.

Deshalb sollte zwischen zwei Dingen unterschieden werden:

politischer Aussage und konkreter Entscheidung im Einzelfall.

 

Ist „Grindi“ wirklich nur ein verniedlichender Name?

Gentges kritisiert im BNN-Interview die Vermenschlichung eines Wildtiers durch einen solchen Namen.

Ein Wolf bleibt selbstverständlich ein Wildtier.

Der Name erfüllt aber noch eine andere Funktion.

„GW2672m“ ist eine Kennzeichnung.

„Hornisgrinde-Wolf“ beschreibt einen Wolf über seinen Aufenthaltsraum.

„Grindi“ ermöglicht Menschen sofort zu erkennen, von welchem einzelnen Wolf gesprochen wird.

Das macht ihn nicht zum Haustier.

Es macht seine Geschichte leichter nachvollziehbar.

Deshalb hat der Name inzwischen auch Bedeutung für die öffentliche Diskussion.

 

Warum ist das wichtig, wenn über einen Abschuss gesprochen wird?

Weil Menschen auf einen bekannten Wolf anders reagieren können als auf einen unbekannten Wolf.

Der Satz

„Ein Wolf wird entnommen“

wirkt anders als

„Grindi wird abgeschossen“.

Der Vorgang kann derselbe sein. Die öffentliche Wahrnehmung ist es nicht.

Das erklärt zumindest teilweise, warum die Diskussion um diesen einzelnen Wolf so intensiv geworden ist.

 

Was wissen wir derzeit sicher – und was nicht?

Drei Dinge lassen sich auseinanderhalten.

1. Was wir wissen

Grindi hat wiederholt geringe Distanz zu Menschen gezeigt. Es gab bereits umfangreiche Bemühungen, ihn zu beobachten und zu erreichen. Eine erneute Vergrämung ist angekündigt. Gentges hat einen möglichen Abschuss bei erfolgloser Vergrämung öffentlich angesprochen.

2. Was bewertet werden muss

Wie problematisch sein Verhalten tatsächlich ist. Welche Bedeutung Begegnungen mit Hunden haben. Ob sich sein Verhalten verändert. Und ob eine Vergrämung dauerhaft wirkt.

3. Was noch beantwortet werden muss

Wie die neue Vergrämung genau durchgeführt wird. Welche Kriterien für Erfolg gelten. Wann sie als gescheitert gilt. Wer diese Bewertung trifft. Und welche konkreten Schritte danach folgen.

Die entscheidende Frage nach dem BNN-Interview

Das Interview von Marion Gentges schafft eine klare politische Erwartung:

Die Vergrämung soll funktionieren. Andernfalls kann eine Entnahme folgen.

Damit muss jetzt aber auch der Maßstab klar werden.

Nicht erst nach den Versuchen, sondern vorher.

Denn nur wenn vorher feststeht, was Erfolg und Scheitern bedeuten, lässt sich später nachvollziehen, ob Grindi tatsächlich eine faire Chance durch die Vergrämung bekommen hat.

Fragen und Antworten zu Grindi und der Vergrämung

Was Gentges über Grindi, Vergrämung und Abschuss sagt

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