Marion Gentges, Landesjagdverband und Biber: Positionen

Marion Gentges, Landesjagdverband und Biber: Wer fordert was im Wildtiermanagement?

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg fordert seit Jahren, den Biber in das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz aufzunehmen. Marion Gentges spricht sich heute ebenfalls für ein aktives Management des Bibers aus. Die Übereinstimmung ist deutlich. Die zeitliche Entwicklung zeigt aber: Diese Position entstand nicht erst mit Gentges.

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg fordert seit Jahren, den Biber in das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz aufzunehmen. Marion Gentges spricht sich heute ebenfalls für ein aktives Management des Bibers aus. Die Übereinstimmung ist deutlich. Die zeitliche Entwicklung zeigt aber: Diese Position entstand nicht erst mit Gentges.

Was fordert der Landesjagdverband beim Biber?

Die Position des Landesjagdverbands ist älter als die aktuelle Landesregierung.

Bereits 2017 forderte der Verband, eine Aufnahme des Bibers in das Jagdrecht ergebnisoffen zu prüfen. Begründet wurde dies mit wachsenden Beständen, Konflikten in Landwirtschaft und Wasserbau und den Möglichkeiten des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes, Schutz und Management miteinander zu verbinden.

Bis 2026 wurde daraus eine klare Forderung:

Biber → Aufnahme in das JWMG → geregeltes Wildtiermanagement

In seinen Kernbotschaften zur Landtagswahl 2026 fordert der LJV ausdrücklich, Biber, Saatkrähe und Goldschakal ebenfalls in das JWMG aufzunehmen.

Warum reicht dem Verband die heutige Biberverordnung nicht?

Seit Anfang 2026 gibt es in Baden-Württemberg eine Biberverordnung. Sie ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen auch die Entnahme von Bibern.

Der Landesjagdverband hält diese Regelung jedoch für zu kompliziert.

In seiner Bewertung vom Februar 2026 kritisiert er zahlreiche bürokratische und rechtliche Hürden. Besonders wichtig ist dem Verband die Rechtssicherheit für Jäger, die mit einer Entnahme beauftragt werden. Deshalb fordert er weiterhin die Aufnahme des Bibers in das JWMG.

Die Position ist damit genauer als die einfache Forderung „Biber abschießen“.

Der Konflikt betrifft auch die Frage:

Nach welchem Recht soll der Biber künftig gemanagt werden?

Derzeit erfolgt eine Entnahme aufgrund naturschutzrechtlicher Ausnahmen. Der LJV möchte den Biber dagegen innerhalb des bestehenden Jagd- und Wildtiermanagementsystems behandeln.

Kam diese politische Linie erst mit Marion Gentges?

Nein.

Das ist für die Einordnung entscheidend.

Am 18. Dezember 2025 erklärte das damals von Peter Hauk geführte Landwirtschaftsministerium, der Vorschlag, Biber, Wolf und Saatkrähe in das JWMG aufzunehmen, sei eine angemessene Reaktion auf die Entwicklung dieser Arten.

Damit existierten bereits vor Gentges drei Positionen:

Landesjagdverband → Biber ins JWMG

CDU / Landwirtschaftsministerium → Biber ins JWMG

Gentges → noch nicht Ministerin

Die Übereinstimmung zwischen Jagdverband und Landwirtschaftsministerium ist also älter als Gentges' Amtszeit.

Was sagt Marion Gentges heute zum Biber?

Beim Landesjägertag im Juli 2026 griff Gentges das Thema ausdrücklich auf.

Nach Darstellung des Landesjagdverbands bezeichnete sie den Bestand von rund 12.000 Bibern als gesichert und sprach sich dafür aus, die Herausforderungen rund um Biber, Wolf und Saatkrähe aktiv anzugehen.

Damit ergibt sich nach ihrem Amtsantritt:

Gentges → aktives Bibermanagement

LJV → aktives Bibermanagement über das JWMG

Die Positionen liegen erkennbar nahe beieinander.

Die Chronologie erlaubt aber nicht den Schluss:

LJV → beeinflusst Gentges → neue Biberpolitik

Dafür fehlt der Nachweis.

Was zeigt die zeitliche Entwicklung?

Die Entwicklung lässt sich einfach darstellen:

2017 Landesjagdverband        ↓ Aufnahme des Bibers ins Jagdrecht prüfen        ↓ 2025 Landesjagdverband        ↓ Biber ins JWMG        │        │ gleichzeitig        ▼ Landwirtschaftsministerium unter Peter Hauk        ↓ Biber ins JWMG vorgeschlagen        ↓ 2026 Biberverordnung        ↓ LJV kritisiert Umsetzung als zu bürokratisch        ↓ Mai 2026 Marion Gentges übernimmt das Ministerium        ↓ Juli 2026 Gentges        ↓ Biberbestand gesichert + Herausforderungen aktiv angehen

Diese Reihenfolge verändert die Interpretation.

Wir sehen eine langfristige politische und verbandliche Entwicklung, nicht eine neue Position, die erst durch das Verhältnis zwischen Gentges und dem Landesjagdverband entstanden ist.

Wo besteht tatsächlich Übereinstimmung?

Drei Dinge lassen sich voneinander trennen.

Erstens: der Biberbestand.
Gentges bezeichnet ihn als gesichert.

Zweitens: Management.
Gentges hält aktives Handeln bei den mit dem Biber verbundenen Herausforderungen für notwendig. Der LJV fordert ebenfalls ein aktives Management.

Drittens: das Instrument.
Der Landesjagdverband fordert ausdrücklich die Aufnahme des Bibers in das JWMG. Diese Forderung wurde bereits vor Gentges' Amtsantritt auch vom Landwirtschaftsministerium unter Peter Hauk vertreten.

Hier liegt die stärkste dokumentierte politische Übereinstimmung.

Hat der Landesjagdverband damit die Biberpolitik beeinflusst?

Aus den bisher verfügbaren Quellen lässt sich das nicht nachweisen.

Dokumentiert ist:

LJV → fordert → Biber ins JWMG

MLR unter Hauk → befürwortet → Biber ins JWMG

Gentges → befürwortet → aktives Bibermanagement

Das zeigt eine erhebliche inhaltliche Konvergenz.

Es zeigt aber noch nicht, welcher Akteur die Position des anderen verursacht hat.

Gerade beim Biber ist deshalb die zeitliche Reihenfolge wichtig: Der Landesjagdverband vertritt seine Position seit Jahren, und auch die politische Linie des Landwirtschaftsministeriums bestand bereits vor Marion Gentges.

Zwischenstand

Beim Biber stehen Marion Gentges und der Landesjagdverband Baden-Württemberg heute in wesentlichen Punkten auf ähnlichem Boden: Der Bestand gilt als gesichert, Konflikte sollen aktiv bearbeitet werden und der LJV fordert dafür ausdrücklich die Einbindung des Bibers in das JWMG.

Die Geschichte beginnt jedoch nicht mit Gentges.

Landesjagdverband, CDU und Landwirtschaftsministerium bewegten sich bereits vor ihrem Amtsantritt in diese Richtung.

Der Biber zeigt deshalb einen wichtigen Unterschied:

Politische Übereinstimmung ist dokumentiert.

Persönlicher Einfluss auf Marion Gentges ist daraus nicht nachweisbar.

Für die Frage nach politischem Einfluss muss deshalb weiter zurückgeschaut werden: nicht nur auf die Ministerin, sondern auf die Entstehung der Biberpolitik selbst.

Gentges, Biber und Wildtiermanagement Baden-Württemberg

Landesjagdverband, Marion Gentges und Biberpolitik

Marion Gentges, Landesjagdverband und Saatkrähe: Management oder Lebensraumproblem?

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