Deutscher Jagdverband (DJV): Governance Resolver – Jäger als Citizen Scientists
Jäger erfassen kontinuierlich Wildtierbestände, dokumentieren Wildunfälle und unterstützen wissenschaftliche Monitoringprogramme. Governance Resolver ordnet diese ehrenamtliche Datenerhebung als Citizen Science ein und zeigt, wie der Deutsche Jagdverband (DJV) Forschung, Wildtiermanagement und Naturschutz miteinander verbindet.
Wie leisten Jäger als Citizen Scientists einen Beitrag zur Forschung?
Der Begriff Citizen Science beschreibt die aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der wissenschaftlichen Datenerhebung. Während Citizen-Science-Projekte häufig mit Vogelzählungen oder Insektenmonitoring verbunden werden, existiert im deutschen Jagdwesen seit Jahrzehnten ein weitreichendes Netzwerk ehrenamtlicher Datensammler. Die Broschüre des Deutschen Jagdverbandes (DJV) zeigt, dass Jäger kontinuierlich Informationen über Wildtierbestände, Lebensräume, Wildunfälle und Tiergesundheit erfassen und damit einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Umweltbeobachtung leisten.
Aus Governance-Perspektive verbindet diese Tätigkeit ehrenamtliches Engagement mit wissenschaftlicher Forschung und staatlichem Wildtiermanagement.
Was bedeutet Citizen Science?
Citizen Science ergänzt die wissenschaftliche Forschung durch systematisch erhobene Daten aus der Praxis. Freiwillige dokumentieren Beobachtungen nach festgelegten Methoden und stellen diese Forschungseinrichtungen oder wissenschaftlichen Projekten zur Verfügung.
Im Jagdwesen entstehen diese Daten nicht punktuell, sondern über das gesamte Jahr hinweg. Die kontinuierliche Präsenz der Jäger in Wald, Feld und Offenland ermöglicht langfristige Beobachtungen, die von einzelnen Forschungsprojekten allein kaum geleistet werden könnten.
Das Revier als Beobachtungsraum
Jäger verbringen regelmäßig Zeit in ihren Revieren und beobachten Veränderungen der Tierwelt über viele Jahre hinweg.
Dabei entstehen Informationen über
- Wildtierbestände
- Nachwuchsentwicklung
- Lebensräume
- Wanderbewegungen
- Krankheiten
- Veränderungen von Populationen
- Auswirkungen von Witterung und Landnutzung
Diese kontinuierlichen Beobachtungen bilden eine wichtige Datengrundlage für wissenschaftliche Analysen.
Das Wildtier-Informationssystem WILD
Ein zentrales Beispiel für Citizen Science innerhalb der Jägerschaft ist das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD).
Hier erfassen ehrenamtliche Jäger Daten zu zahlreichen Wildtierarten. Anschließend werden diese Informationen wissenschaftlich ausgewertet und in regelmäßigen Berichten veröffentlicht.
Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen lokaler Datenerhebung und bundesweiter Forschung. Das Wissen einzelner Reviere fließt in langfristige Analysen der Bestandsentwicklung ein.
Tierfund-Kataster und Wildunfälle
Citizen Science beschränkt sich nicht auf klassische Bestandszählungen.
Auch das digitale Tierfund-Kataster nutzt Meldungen aus der Praxis. Wildunfälle, verendete Wildtiere oder auffällige Beobachtungen können dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet werden.
Diese Daten helfen unter anderem,
- Wildunfallschwerpunkte zu erkennen,
- Tierseuchen früher zu entdecken,
- Wanderbewegungen zu analysieren,
- Infrastruktur für Mensch und Wildtiere sicherer zu gestalten.
Langfristige Datensammlungen
Viele ökologische Veränderungen werden erst über längere Zeiträume sichtbar.
Gerade hier besitzt die Jägerschaft einen besonderen Vorteil.
Da viele Reviere über Jahrzehnte hinweg betreut werden, entstehen kontinuierliche Datenreihen, die kurzfristige Forschungsprojekte häufig nicht liefern können.
Diese langfristige Beobachtung erhöht den wissenschaftlichen Wert vieler Datensätze erheblich.
Citizen Science als Governance
Aus Governance-Sicht verbindet Citizen Science unterschiedliche Institutionen miteinander.
Beteiligt sind unter anderem
- Jägerinnen und Jäger
- Wissenschaft
- Hochschulen
- Naturschutzbehörden
- Landesjagdverbände
- Deutscher Jagdverband
- Forstwirtschaft
- Landwirtschaft
Jede Gruppe erfüllt dabei eine eigene Funktion.
Die Datenerhebung erfolgt überwiegend dezentral im Revier.
Die wissenschaftliche Auswertung erfolgt durch Fachinstitutionen.
Politische Entscheidungen können anschließend auf diesen Erkenntnissen aufbauen.
Vertrauen durch nachvollziehbare Daten
Wildtiermanagement wird gesellschaftlich häufig kontrovers diskutiert.
Gerade deshalb gewinnen nachvollziehbare Datengrundlagen zunehmend an Bedeutung.
Citizen Science ermöglicht eine kontinuierliche Beobachtung wildlebender Tierarten und schafft eine gemeinsame Informationsbasis für Wissenschaft, Verwaltung und Verbände.
Je transparenter Datenerhebung und Auswertung erfolgen, desto besser lassen sich Entwicklungen langfristig nachvollziehen.
Der DJV als Wissensnetzwerk
Aus institutioneller Sicht übernimmt der Deutsche Jagdverband nicht nur die Vertretung der Jägerschaft.
Er organisiert zugleich ein Netzwerk freiwilliger Datensammler, deren Beobachtungen in wissenschaftliche Projekte einfließen.
Damit entsteht eine Verbindung zwischen ehrenamtlicher Praxis, wissenschaftlicher Forschung und institutioneller Governance.
Die Jägerschaft wird dadurch zu einem Teil der ökologischen Wissensinfrastruktur Deutschlands.
Einordnung
Die Broschüre des Deutschen Jagdverbandes macht deutlich, dass Jäger weit mehr leisten als die Ausübung des Jagdrechts. Durch die systematische Erfassung von Wildtierdaten, die Mitarbeit an Monitoringprogrammen und die Dokumentation ökologischer Veränderungen übernehmen sie Aufgaben, die dem internationalen Verständnis von Citizen Science entsprechen. Aus Governance-Perspektive verbindet dieses Netzwerk ehrenamtliche Feldarbeit mit wissenschaftlicher Erkenntnis und schafft eine wichtige Grundlage für Entscheidungen im Wildtiermanagement, Naturschutz und der Biodiversitätsforschung.
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