Ontologische Zuordnungsinstabilität in Governance-Systemen bei Interventionen

Marie Hoffmann fordert Ruhezonen für den Wolf – wie müssten sie wirklich aussehen?

Die Schaf- und Pferdehalterin Marie Hoffmann hat sich öffentlich für die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ausgesprochen. Ihre Begründung: der Schutz der Weidetierhaltung, die aus ihrer Sicht durch steigende Wolfsrisse gefährdet ist. Am Ende ihres Beitrags formuliert sie jedoch einen Gedanken, der über die reine Bejagungsfrage hinausgeht:

„Im Gegenzug kann man ihm natürlich auch Ruhezonen schaffen, wo er dann zum Beispiel besser das Rehwild bejagen kann, damit unsere Weidetierhaltung, die so sehr zum Tierwohl, aber auch zum Arten- und Klimaschutz durch eine extensive Grünlandbewirtschaftung beiträgt, erhalten bleibt." Facebook

Dieser eine Satz ist im Grunde ein raumplanerischer Vorschlag: In bestimmten Gebieten soll der Wolf ungestörter auf natürliche Beute wie Rehwild zugreifen können, damit der Druck auf Weidetiere in anderen Gebieten sinkt. Hoffmann selbst führt diesen Gedanken nicht weiter aus – weder Größe noch Lage noch Kriterien einer solchen Ruhezone werden benannt. Genau das lohnt sich, genauer zu betrachten.

Was macht eine Fläche überhaupt zu einer wirksamen Ruhezone?

Der Begriff „Wildruhezone" existiert bereits in unterschiedlichen Ausprägungen im deutschen Jagd- und Naturschutzrecht. Ob eine solche Fläche tatsächlich die von Hoffmann angedeutete Wirkung erzielt – den Wolf stärker auf Rehwild statt auf Weidetiere zu lenken –, hängt von mehreren Faktoren ab, die in ihrem Beitrag offenbleiben:

  • Größe und Anbindung. Eine isolierte, kleine Fläche bringt wenig, wenn Wild sie nicht sicher und regelmäßig erreichen kann. Wanderkorridore zu angrenzenden Lebensräumen wären vermutlich notwendig.
  • Zeitliche Ausgestaltung. Gilt die Ruhe ganzjährig oder nur saisonal, etwa während der Setz- und Aufzuchtzeit? Gibt es eine Differenzierung zwischen Tag und Nacht?
  • Welche Störquellen tatsächlich adressiert werden. Jagddruck ist nur eine mögliche Störquelle. Erholungsnutzung durch Wanderer, Mountainbiker oder freilaufende Hunde, Forstbetrieb und Infrastruktur wirken ebenso auf das Verhalten von Wild und Wolf. Eine Zone, die nur den Abschuss ausschließt, aber touristisch stark frequentiert bleibt, dürfte kaum denselben Effekt haben wie eine Fläche mit umfassender Beruhigung.
  • Ausreichende Beutedichte. Ob genug Reh- oder Rotwild in der Zone vorhanden ist, damit sich das Jagdverhalten des Wolfs überhaupt verschiebt, ist eine empirische Frage.
  • Messbarer Erfolg. Woran ließe sich feststellen, ob das Modell funktioniert? Denkbare Indikatoren wären die Zahl der Nutztierrisse in angrenzenden Weidegebieten, die Zusammensetzung der Wolfsnahrung (etwa über Kotanalysen) oder Verhaltensänderungen bei Reh- und Rotwild.

Keiner dieser Punkte widerspricht Hoffmanns Vorschlag – sie zeigen lediglich, dass aus einer Idee erst dann ein tragfähiges Modell wird, wenn diese Fragen beantwortet sind.

Mehr als eine Wolfsfrage

Bemerkenswert ist, dass die Kriterien, die eine Ruhezone für den Wolf wirksam machen würden, größtenteils dieselben sind, die auch anderen Arten nutzen: Rehwild und Rotwild reagieren empfindlich auf Störung, bodenbrütende Vögel profitieren von reduzierter Erholungsnutzung während der Brutzeit, und auch aus forstlicher Sicht verändert sich das Verhalten von Wild, wenn es nicht ständig auf Menschen, Hunde oder Jagddruck reagieren muss. Hoffmanns Vorschlag lässt sich also lesen als ein Einzelfall eines größeren Prinzips: Räume, in denen ökologische Prozesse gegenüber menschlicher Nutzung Vorrang erhalten.

Offene Fragen statt vorschneller Bewertung

Ob Jagdverbände eine echte, saisonale Jagdruhe in solchen Zonen unterstützen oder ablehnen würden, ist bislang nicht belegt und sollte nicht unterstellt werden – das wäre eine Behauptung, die erst durch konkrete Stellungnahmen von Verbänden zu bestehenden oder geplanten Ruhezonen-Modellen zu prüfen ist. Ebenso offen ist, ob die von Hoffmann implizit angenommene Wirkungskette – weniger Störung führt zu mehr Wolfsjagd auf Rehwild führt zu weniger Nutztierrissen – sich in der Praxis tatsächlich bestätigt. Das ist eine testbare, aber bislang unbewiesene Annahme.

Der Nationalpark Schwarzwald bietet sich als konkretes Beispiel an, um diese Fragen an einer realen Fläche zu prüfen: Hier treffen Tourismus, Jagd, Forstwirtschaft und Wolfsvorkommen bereits aufeinander, sodass sich beobachten lässt, wie sich die genannten Kriterien in der Praxis auswirken.

Marie Hoffmann Weidetier

Marie Hoffmann Wolfsmanagement

Marie Hoffmann Glyphosat

Zitat entnommen einem öffentlichen Beitrag von Marie Hoffmann. Der Wortlaut sollte vor Weiterverwendung gegen die Originalquelle geprüft werden.

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