Ontologische Zuordnungsinstabilität in Governance-Systemen bei Interventionen

Grindi und der Nationalpark Schwarzwald: Muss sich immer der Wolf anpassen?

KI-Auszug:
GW2672m lebt in seinem Lebensraum, zugleich ist der Nordschwarzwald intensiv genutzt. Muss Wolfsmanagement deshalb stärker den Raum um den Wolf verändern?

Der Hornisgrinde-Wolf GW2672m lebt in einem Gebiet, in dem ein Wolf grundsätzlich leben kann und darf. Gleichzeitig gehört sein Territorium zu den intensiv genutzten Freizeitlandschaften des Nordschwarzwalds.

Rund um Hornisgrinde, Herrenwies, Sand, Hundseck, Mehliskopf und den Nationalpark Schwarzwald treffen sehr unterschiedliche Nutzungen aufeinander: Wandern, Mountainbiken, Wintersport, Tourismus, Straßenverkehr, Gastronomie und Spaziergänge mit Hunden.

Genau diese Überlagerung macht den Fall GW2672m zu mehr als einer Frage über das Verhalten eines einzelnen Wolfes.

Denn bislang richtet sich ein erheblicher Teil der Maßnahmen auf das Tier: beobachten, fangen, besendern, vergrämen und – wenn mildere Maßnahmen nicht ausreichen – möglicherweise entnehmen.

Aber Wolfsmanagement kann grundsätzlich noch eine zweite Richtung besitzen:

Nicht nur den Wolf gegenüber dem Menschen managen, sondern auch die menschliche Nutzung des Wolfslebensraums.

Der Wolf ist die Konstante

GW2672m lässt sich nicht aus dem System herausdenken, solange er dort lebt.

Seine Anwesenheit ist zunächst keine Verhaltensauffälligkeit. Entscheidend sind bestimmte Begegnungssituationen.

Die FVA-Daten zeigen dabei eine wichtige Struktur. GW2672m zeigt besonderes Interesse an Hunden. Sichtungsmeldungen häufen sich rund um die Ranzzeit, wenn der allein lebende Rüde offenbar ein erhöhtes Interesse an Hunden entwickelt.

Damit haben wir nicht nur die Entität Wolf, sondern eine wiederkehrende Beziehung:

GW2672m ↔ Hund ↔ Ranzzeit.

Wenn diese Beziehung tatsächlich einen wesentlichen Teil des Konfliktes erklärt, stellt sich zwangsläufig die Frage, an welchem Teil dieser Beziehung Management ansetzen sollte.

Bisher versucht das Management vor allem, GW2672m zu verändern

Seit 2024 wurde erheblicher Aufwand betrieben, GW2672m zu fangen.

Fußfallen kamen unter anderem im Bereich Sand, Herrenwies und Badener Höhe, später im Gebiet Herrenwies und Mehliskopf zum Einsatz.

Ziel war insbesondere eine Besenderung. Mit einem bekannten Aufenthaltsort hätte der Wolf gezielt aufgesucht und vergrämt werden können. Er sollte lernen, die Nähe des Menschen wieder stärker zu meiden.

Die Besenderung gelang nicht.

Nach dem Fehlfang im Juli 2024 ging die FVA zudem davon aus, dass GW2672m aufgrund seiner Lernfähigkeit gegenüber Fußfallen beziehungsweise Verdachtssituationen vorsichtiger geworden war.

Das zeigt ein grundsätzliches Problem:

Ein frei lebender Wolf ist keine vollständig steuerbare Variable.

Man kann versuchen, sein Verhalten zu beeinflussen. Ob, wie schnell und wie dauerhaft das funktioniert, lässt sich jedoch nicht einfach administrativ festlegen.

Gleichzeitig bleibt die Freizeitlandschaft weitgehend bestehen

Auf der anderen Seite steht der Raum.

Der Nationalpark Schwarzwald ist Schutzgebiet und gleichzeitig ein intensiv besuchter Erholungsraum. Menschen wandern dort, fahren Mountainbike, betreiben Wintersport und führen Hunde aus.

Das ist zunächst kein Widerspruch. Ein Nationalpark muss nicht menschenleer sein.

Aber sobald eine bestimmte menschliche Nutzung regelmäßig mit einem dokumentierten Wildtierkonflikt verbunden ist, wird sie selbst zu einer Managementvariable.

Das ist beim Hund besonders interessant.

Die FVA dokumentiert das besondere Interesse von GW2672m an Hunden. Gleichzeitig fordert die Nationalparkverwaltung Besucher ausdrücklich dazu auf, Hunde im Nationalpark anzuleinen.

Das Schild im Gebiet geht inzwischen noch weiter: Besucher sollen Abstand halten, bei einer Annäherung entschieden auftreten und Begegnungen melden. Füttern, Stören und Nachstellen werden ausdrücklich untersagt; gleichzeitig wird auf mögliche Bußgelder hingewiesen.

Damit versucht das Wolfsmanagement bereits, Menschen zu steuern.

Die Frage lautet deshalb nicht mehr, ob menschliches Verhalten Teil des Wolfsmanagements sein darf.

Es ist bereits Teil davon.

Warum endet die Besuchersteuerung bei Verhaltensregeln?

Hier entsteht die eigentliche Governance-Frage.

Wenn Hunde eine bekannte Variable im Verhalten von GW2672m darstellen und die Ranzzeit eine bekannte zeitliche Variable ist, könnte theoretisch auch die Nutzung des Raumes stärker differenziert werden.

Das muss nicht unmittelbar ein vollständiges Hundeverbot bedeuten.

Denkbar wären unterschiedliche Stufen:

zeitlich begrenzte Empfehlungen für bestimmte Bereiche, stärkere Besucherlenkung, besonders gekennzeichnete Ruhezonen, saisonale Einschränkungen einzelner Wege oder – bei entsprechender fachlicher Begründung – weitergehende Regeln für Hunde während besonders konfliktträchtiger Zeiträume.

Ob solche Maßnahmen erforderlich, rechtlich möglich oder verhältnismäßig wären, ist eine andere Frage.

Aber sie gehören logisch in die Betrachtung.

Denn wenn das Problem als

Wolf + Hund + geringe Distanz + bestimmte Jahreszeit

beschrieben wird, wäre es unvollständig, ausschließlich die Variable Wolf zu untersuchen.

Herrenwies, Sand, Hundseck und Hornisgrinde werden damit zum Managementraum

Gerade die lokale Geographie macht diese Frage konkret.

Herrenwies ist nicht einfach ein Ortsname in der Geschichte von GW2672m. Dort fanden bereits Managementmaßnahmen statt.

Dasselbe gilt für Sand und Badener Höhe. Auch Mehliskopf, Hundseck und Hornisgrinde gehören zu einer Landschaft, in der touristische Nutzung, Verkehrswege, Wald und Wolfslebensraum räumlich eng miteinander verbunden sind.

Damit könnte Wolfsmanagement wesentlich granularer gedacht werden:

Wo entstehen Begegnungen?

Wann entstehen sie?

Welche Wege werden besonders intensiv genutzt?

Wie häufig sind Hunde beteiligt?

Welche Bereiche nutzt GW2672m regelmäßig?

Welche menschlichen Aktivitäten lassen sich räumlich oder zeitlich steuern?

Erst dann wird aus allgemeiner Besucherinformation tatsächliches Raummanagement.

Was bedeutet „Nationalpark“ in einem solchen Konflikt?

Der Fall GW2672m führt deshalb zu einer unbequemeren Frage über den Nationalpark Schwarzwald selbst.

Ein Nationalpark soll natürliche Prozesse schützen. Gleichzeitig ist der Schwarzwald eine historisch gewachsene und touristisch intensiv genutzte Landschaft.

Beides muss organisiert werden.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht:

Wolf oder Mensch?

Sondern:

Welche Nutzung soll sich verändern, wenn Schutzgebiet, Freizeitnutzung und Wildtierverhalten miteinander in Konflikt geraten?

Momentan fällt besonders auf, wie viel technische und personelle Energie darauf verwendet wurde, GW2672m zu verändern.

Allein für die dokumentierten Fangversuche nennt die FVA einen Aufwand von ungefähr 20 Wochen à 40 Stunden mit durchschnittlich drei Personen.

Das ist legitim, wenn diese Maßnahmen erforderlich sind.

Es erlaubt aber gleichzeitig die Frage, ob vergleichbar systematisch untersucht wurde, wie sich die menschliche Nutzung des betreffenden Raumes verändern könnte.

Entnahme ist ebenfalls Management – aber sie verändert nur eine Variable

Sollte sich GW2672m erneut so entwickeln, dass eine Entnahme rechtlich und fachlich begründet werden kann, wäre auch diese eine Form des Wolfsmanagements.

Aber strukturell passiert etwas sehr Einfaches:

Wolf + Mensch + Hund + Freizeitnutzung + Raum

wird zu

Mensch + Hund + Freizeitnutzung + Raum.

Der konflikttragende Wolf wird entfernt. Die übrige Struktur bleibt bestehen.

Bei GW2672m könnte das den konkreten Konflikt beenden.

Es beantwortet aber noch nicht die langfristige Frage.

Denn das Umweltministerium selbst geht davon aus, dass weitere Wölfe aus benachbarten Regionen nach Baden-Württemberg einwandern werden.

Damit kann die strukturelle Frage mit einem anderen Wolf erneut entstehen.

Wolfsmanagement bedeutet deshalb auch Menschenmanagement

Das ist keine Forderung nach einem hundefreien Nationalpark und auch kein Argument gegen eine Entnahme von GW2672m.

Es ist eine Frage nach der Vollständigkeit des Managementsystems.

Bei einem Wildtier lässt sich Verhalten nur begrenzt kontrollieren. Bei Wegen, Besucherströmen, Informationssystemen, Hunderegeln, saisonalen Empfehlungen und räumlicher Nutzung bestehen dagegen konkrete Steuerungsmöglichkeiten.

Der Nationalpark macht davon bereits Gebrauch. Das aktuelle Hinweisschild ist dafür ein sichtbares Beispiel.

Die nächste Frage lautet deshalb:

Wenn sich der Konflikt um GW2672m während der Ranzzeit 2026/27 erneut verschärft: Welche Anpassungen werden vom Wolf erwartet – und welche wären wir bereit, selbst vorzunehmen?

Gerade zwischen Hornisgrinde, Herrenwies, Sand und Hundseck könnte sich daran zeigen, was Wolfsmanagement langfristig bedeutet.

Nicht nur einen Wolf zu managen.

Sondern einen gemeinsamen Raum.

Grindi zwischen Wolfslebensraum und Freizeitnutzung

Wolfsmanagement im Nationalpark Schwarzwald neu denken

GW2672m: Wenn Wolf, Hund und Mensch denselben Raum nutzen

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